Zuletzt aktualisiert am 06. April 2018.

Was lange währt, wird endlich gut. So oder so ähnlich dürften es wohl viele CoE-Fans seit gestern Abend empfinden, nachdem das lang ersehnte Design Journal zum Thema Handwerk (Crafting) am Beispiel des Schmieds veröffentlicht wurde.

Das Design Journal gibt dabei einen aktualisierten Stand wieder und beschreibt die Änderungen, welche man seit dem ursprünglichen Entwurf eingeführt hat. Die damals noch in den Vordergrund gestellten Mini Games, eine Idee um die Fertigkeiten des Charakters mit dem Geschick des Spielers zu verbinden, wurden mit dem neuen Entwurf zurückgestellt. Zu groß war die Lücke zwischen der Aktion des Spielers und der tatsächlichen Handlung des Charakters. Waren es also bis zuletzt die Mini Games so ist es nun das Real-Time Crafting, das die Entwickler in den Vordergrund stellen möchten.

Das Crafting Framework

Trotz der Neuausrichtung bleiben die Kernelemente beim Handwerk nahezu unverändert. Weiterhin soll der Spieler seinen Charakter vom Schüler zum Meister im Fach seiner Wahl führen, eigene Werkstätten gründen und sich mit anderen Spielern in Gemeinschaften (z.B. Verbänden) organisieren. Das oben erwähnte Geschick des Spielers wird auch weiterhin eine wichtige Rolle bei der Herstellung von Gegenständen bleiben, wie man weiter unten noch lesen kann. Ebenfalls unverändert bleibt die Kette aus den einzelnen Aktionen vom Rohstoff bis zum fertigen Produkt.

  • Abbau von Rohstoffen (Erz)
  • Veredelung von Rohstoffen zu Zwischenerzeugnissen (Eisenbarren) und Hilfsstoffen an Werkbänken bzw. in Werkstätten
  • Herstellen von einzelnen Komponenten eines Gegenstands (Klinge)
  • Herstellen von fertigen Gegenständen (Schwert) aus Zwischenerzeugnissen (Klinge und Heft) und verarbeiteten Rohstoffen.

Die Handwerksstation eines SchmiedsDie Handwerksstation eines Schmieds

Tatsächliches Handwerk

Um die oben genannten Grundlagen sinnvoll ins Spiel zu transformieren, geht man hier einen anderen Weg und will typische Handwerksvorgänge ins Spiel bringen. Ihr schlagt mit dem Hammer auf das heiße Eisen, während ihr sicherstellt, dass das Feuer heiß genug bleibt. Die Immersion soll hier unmittelbar den Spielspaß fördern. Hobbyköche dürfen sich also auf ein realistisches Anrühren eines Kuchenteiges freuen und sich über die unerwünschten Klümpchen in der Soße ärgern. Nun ja, bleiben wir doch erstmal beim Schmieden.

Das Spielerlebnis

Angefangen mit dem Sammeln von Rohstoffen, beispielsweise Erzen im Bergbau, oder Pflanzenteilen in der Kräuterkunde, wurde das Konzept der "Mini-Games" ersetzt durch die Interaktion mit der Spielwelt. So ist es beispielsweise notwendig die Felswand mit einer ausgerüsteten Spitzhacke zu bearbeiten, um das wertvolle Erz vom Stein zu befreien, Kräuter aus dem Erdreich zu reißen oder Pflanzenstiele abzuschneiden. Spieler werden mit der Zeit herausfinden, wie eine Erzader abzubauen ist oder man am besten den Stiel einer Pflanze durchtrennt um den größtmöglichen Ertrag zu haben bzw. um den Rohstoff nicht zu zerstören.

FPF — First Person ForgeFPF — First Person Forge

Anschließend gilt es aus den Rohstoffen weitere Komponenten herzustellen. Pflanzen müssen getrocknet und zerkleinert werden um daraus verwertbare Rohstoffe für Medizin und Lebensmittel herstellen zu können. Das gleiche gilt für Erz, denn zuerst muss es eingeschmolzen werden um es zu einem bestenfalls reinen Metallbarren formen zu können. Diese verwertbaren Rohstoffe sind lagerbar und eignen sich daher auch optimal für den Handel.

Techniken (Techniques)

Bei all diesen Vorgängen kommen sogenannte Techniken (Techniques) zum Einsatz. Der Schmied muss ein heißeres Feuer schüren können, während der Kräutersammler Wege finden muss, Pflanzen effektiv verarbeiten zu können. Diese Techniken sind somit die Grundlagen der jeweiligen Handwerksberufe, welche mit der Zeit ergänzt und verbessert werden.

Will ein Schmied beispielsweise heiße Metalle mit Wasser abschrecken um sie zu kühlen, verändert dies die Struktur des Metalls, was es einerseits härter, aber auch spröder machen kann. Wie geht man also vor wenn man ein hartes, aber bruchfestes Metall für beispielsweise ein Schwert benötigt? Dazu können Techniken eingesetzt werden.

Eine Technik wäre das Klingenhärten, bei dem lediglich die Klinge des Schwerts in Öl getaucht wird. Dazu ist es notwendig beim Abschrecken das Eintauchen der Klinge entsprechend zu steuern. Auch bietet es sich an, einen Trog statt einem Fass zu verwenden, damit man die Klinge flacher eintauchen kann. Eine andere Technik mit der man ebenfalls die Klinge stärker härten kann besteht darin, das restliche Schwert mit Lehm während dem Erhitzen vor zu hohen Temperaturen zu schützen.

Technik: ErhitzenTechnik: Erhitzen

Neue Techniken erweitern die Kenntnisse des Handwerkers in seinem und verbundenen Berufen. Dennoch ist nicht jede Technik erforderlich um einen bestimmten Gegenstand herstellen zu können. Vielmehr können Handwerker unterschiedliche Techniken für die einzelnen Arbeitsschritte anwenden um damit individuelle Gegenstände herzustellen.

So kommt der Spielfortschritt in einem Handwerk durch das Erweitern der Kenntnisse um die Techniken zustande, sowie durch den Erfahrungsschatz des Spielers, der lernt diese Techniken richtig einzusetzen. Damit soll verhindert werden, dass ein Spieler zunächst hunderte gleichartige, nutzlose Gegenstände herstellen muss um seine Handwerksfertigkeit so weit zu steigern, dass er dann brauchbare Gegenstände herstellen kann. Wer gerne Schwerter schmieden möchte, soll sich direkt an den entsprechenden Techniken und Arbeitsschritten versuchen können, ohne zuvor Dolche oder Rüstungen schmieden zu müssen.

Techniken: Schleifen und PolierenTechniken: Schleifen und Polieren

Echte Handwerksvorgänge

Techniken gut und schön, aber wie schmiedet man nun? Genau hier will man sich am tatsächlich Handwerk orientieren und benennt dies Realtime Crafting. Ein Schmied muss Kohle auf die Feuerstelle legen, die Kohle entzünden und abwarten bis die Kohle die nötige Temperatur erreicht hat um den Erzbrocken oder den späteren Metallbarren einzuschmelzen. Der Spieler erfährt die Temperatur über das jeweilige Rezept bzw. aus eigener Spielerfahrung. Selbiges, also die nötige Spielerfahrung, ist auch nötig um festzustellen, wann die glühende Kohle die richtige Temperatur erreicht hat, indem der Spieler die Glut direkt betrachtet. Die Entwickler möchten hier keine unterstützenden Anzeigen (Anzeigeelemente) darstellen um den Spieler zu signalisieren, dass er jetzt einen Knopf drücken muss. Statt direkter Anzeigen, muss der Spieler anhand visueller und akustischer Hinweise auf den Zustand seines Werkstücks schließen. Knistert die Glut und flirrt die Luft über den Kohlen? Dann ist die Glut vermutlich heiß genug. Unterschiedliche Zonen in der Glut haben auch unterschiedliche Temperaturen und es ist naheliegend, dass auch hier möglicherweise wieder Techniken (Feuer schüren) und Hilfsmittel (Blasebalg betätigen) zum Einsatz kommen.

Dies war nur ein Schritt von vielen bis zum fertigen Schwert. Eisen aus der Schlacke entnehmen, es formen, abkühlen, wieder erhitzen, weiter formen, schleifen, schärfen usw. werden alles einzelne Schritte sein, die im Spiel dargestellt und vom Spieler aktiv kontrolliert werden müssen.

Kohle entzünden ...Kohle entzünden ... ... Werkstück erhitzen ...... Werkstück erhitzen ... ...und anschließend formen....und anschließend formen.

Bei diesen Vorgängen kann auch einiges schief gehen. Je komplexer und schwieriger das Rezept in Bezug zur Handwerksfertigkeit des Charakters, desto wahrscheinlicher treten diese Fälle auch ein. Beispielsweise kann beim Zuführen des Eisenrohlings in die Feuerstelle Asche aufgewirbelt werden und sich auf die Glut legen. Dadurch mag womöglich die Luftzufuhr zu den Kohlen vermindert sein und infolgedessen die Arbeitstemperatur der Feuerstelle nicht mehr erreicht werden, was sich negativ auf das Erhitzen des Werkstücks auswirkt. Auch wenn das Aufwirbeln dem Charakter ungeschickterweise passiert ist, so kann ein achtsamer und geschulter Spieler dennoch den Vorgang zum Erfolg führen, wenn er die Zeichen zu deuten weiß. So kann er den Fehler an der herumwirbelnden Asche erkennen, oder den verursachten Geräuschen und anschließend die Kohlen davon befreien und den Blasebalg verwenden um die Glut wieder anzuheizen. Das Eintreten dieser Fehler machen schwierigere Rezepte und Techniken zu riskanteren Unterfangen und werden als sogenannte Crafting Challenges bezeichnet. Diese Herausforderungen dienen der Steigerung der Handwerksfertigkeit und können durch geschicktes Spiel bewältigt werden.

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Kommentare

Zunjins Avatar
Endlich mal wieder ein Design Jornal und dann noch zu einem wichtigen Topic wie Crafting ... super! Und genau so liest es sich auch.

Alle von euch die etwas ausführlicher über das Design des Crafting-Systems diskutieren wollen, können dies hier tun: Wie gefällt euch das Design des Handwerkssystem (Crafting), was ist toll, was weniger und wie würdet ihr es verbessern?
 Zunjin    06 Apr 2018 09:56